Wassersport im Schnee – Warum dieses SUP-Shooting komplett anders war als geplant
Wassersport und Schnee passen auf den ersten Blick nicht zusammen.
Und genau deshalb wollte ich dieses Shooting machen.
Zusammen mit Michael Walther von SUP Abenteuer bin ich in die Eckernförder Bucht gefahren, an einem dieser seltenen Tage, an denen der Norden komplett verschneit ist. Diese Wintermomente gibt es hier oben kaum – und wenn sie da sind, muss man sie nutzen.
Die Idee war simpel:
Wassersport bei Schnee.
Ohne großen Plan. Ohne festes Konzept. Nur mit dem Gedanken:
Ein echter Wassersportler geht bei jedem Wetter ins Wasser.
Vom Parkplatz bis ins Wasser – ein Trainingstag
Ich wollte nicht einfach nur Bilder vom Paddeln machen.
Ich wollte den ganzen Ablauf zeigen:
Ankommen am Spot
Vorbereitung
Der Weg ins Wasser
Und das, was danach passiert
Denn wenn man etwas wirklich liebt, ist das Wetter egal. Wenn man einen Plan hat, ist das Wetter egal.
Und für mich war klar: Bewegung muss sichtbar sein. Mitzieher, Motion, Dynamik – das durfte in diesem Shooting auf keinen Fall fehlen.
Vorbereitung: Ideen auf dem Handy, Erfahrung im Kopf
Ich hatte mir vorab ein paar Ideen aus meiner Ideensammlung als PDF aufs Handy gespeichert. Die Location kannte ich grob, weil ich hier schon einmal geshootet hatte. Ein paar Blickwinkel hatte ich also im Kopf.
Aber wie so oft: Vor Ort ist trotzdem viel Try & Error.
Bewusst dabei hatte ich:
Einen kleinen Blitz für bewegte Portraits
Und mein 180–600mm, weil Ultra-Tele bei solchen Sportshootings einfach immer eine Option ist
Der Moment, in dem ich dachte: „Die Mitzieher kannst du vergessen“
Ich versuche bei fast jedem Shooting Mitzieher einzubauen.
Hier wäre mir das fast komplett um die Ohren geflogen.
Warum?
Weil ich nicht auf dem Schirm hatte, dass ein SUP-Board deutlich langsamer durchs Bild fährt als alles, was ich sonst fotografiere.
Seitliche Mitzieher? Katastrophe.
Verschiedene Verschlusszeiten? Kaum Effekt.
Zoom-Effekte? Durchprobiert.
Ich war zwischendurch überzeugt, dass ich nur Müll produziere.
Erst als ich frontal gearbeitet habe, hat es „Klick“ gemacht.
Plötzlich war die Dynamik da. Bewegung wirkt frontal bei so langsamen Motiven einfach viel stärker als seitlich. Das war der Wendepunkt im Shooting.
Technik, auf die ich mich verlassen musste
Bei Schnee, Feuchtigkeit und Kälte wollte ich keine Kompromisse eingehen.
Meine Wahl: Nikon Z9
Objektive im Einsatz:
Nikon 28mm 2.8
Viltrox 85mm 1.8
Nikon 70–200mm 2.8
Nikon 180–600mm
Das Licht war alles andere als spektakulär. Vormittag, grauer Schleier über allem. Aber genau dadurch kam das farbige Board im Schnee unglaublich gut raus.
Manchmal ist „schlechtes Licht“ fotografisch genau das Richtige.
Was man auf den Bildern nicht sieht
Michael ist so, wie er dort aufs Wasser gegangen ist, im Winter noch nie trainieren gegangen.
Normalerweise reicht ihm T-Shirt und Neoprenhose.
Aber er bekommt regelmäßig Kommentare, dass das verantwortungslos sei oder „nur für die Fotos gestellt“. Also: Neoprenanzug, Mütze – damit keiner etwas sagen kann.
Nach dem Shooting habe ich ihn wortwörtlich dampfen sehen.
Die Bearbeitung: bewusst unspektakulär
Ich habe die Bilder sehr natürlich gelassen.
Ein paar in Schwarz-Weiß, ansonsten:
Kontrast
Weißabgleich
Belichtung
Keine extremen Looks. Keine Spielereien.
Hier wäre jede übertriebene Bearbeitung am Ziel vorbeigeschossen. Der Schnee, die Farben, die Stimmung – das musste genau so bleiben, wie es war.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Auf dem Hinweg habe ich einen unfassbaren Sonnenaufgang gesehen.
Unser Fehler: Wir hatten uns zu spät verabredet.
Beim nächsten Mal würde ich deutlich früher starten, egal wie „schlecht“ die Wettervorhersage aussieht.
Und: Ich würde mit ins Wasser gehen. Perspektiven aus dem Wasser hätten dem Ganzen noch einmal eine komplett andere Ebene gegeben.
Tipp für Fotografen, die so etwas planen:
Zieht euch wärmer an, als ihr denkt
Überlegt euch Blickwinkel vorher
Arbeitet schnell, damit euer Sportler nicht ewig in der Kälte stehen muss
Warum dieses Shooting für mich besonders ist
Ich liebe Natur. Ich liebe Wassersport. Ich liebe Extreme.
Und genau das kam hier zusammen.
Wassersport im Schnee sieht man nicht jeden Tag – und genau das macht diese Bilder für mich besonders. Dazu noch die Zusammenarbeit mit Michael, die einfach Spaß gemacht hat.
Am Ende sind es oft die Shootings ohne großen Plan, die die spannendsten Bilder liefern.